Nordinsel-Erkundung auf eigene Faust
Auckland
Montag, 11.12.2017
☀️ ca. 24°C (in der Sonne heiß)
Im strahlenden Sonnenschein landen wir gegen 07:00 Uhr lokaler Zeit am Auckland Airport und stehen zunächst eine Weile auf einem Taxiway herum, bis wir schließlich unsere Parkposition zugewiesen bekommen. Das Flughafen-Terminal empfängt seine internationalen Gäste mit einem großen Schild mit den Worten „The warmest welcome in New Zealand“ 😊.

Während der Einreise-Prozedur springt ein Spürhund der Polizei wie wild herum – nach einem kurzen Schreckmoment stellt sich heraus, dass er die letzten verbliebenen Äpfel unseres Handgepäcks gerochen hat. In Neuseeland ist es aus Seuchenschutzgründen nicht erlaubt, unverpackte Lebensmittel aus dem Ausland einzuführen. So müssen wir die vitaminhaltigen Früchte leider im Abfall entsorgen.





Glücklicherweise haben unsere Koffer die 18.000 Kilometer lange Reise unbeschadet überstanden. Kurz nach 09:00 Uhr werden wir von einem Airport Shuttle abgeholt und zum zentral gelegenen Rose Park Hotel gefahren, wo wir einchecken und unser Zimmer beziehen. Direkt gegenüber unseres Apartments befindet sich ein duftender Rosengarten mit tropischen Palmen, sehr romantisch für Pärchen 😉. Doch uns zieht es vorerst nicht zur bunten Blütenpracht; stattdessen spazieren wir am Wasser entlang zum neuartigen Hafengelände „Ports of Auckland“ und schmieren uns unterwegs kräftig mit Sonnencreme ein. Eine digitale Anzeige verkündet, dass es 24 Grad warm ist, doch direkt unter der Mittagssonne heizt es sich viel stärker auf.
Bald tauchen die ersten Souvenirläden in unserem Blickfeld auf. Wir stöbern ein bisschen hier und da, aber kaufen nichts ein. Obwohl wir ein paar schicke Sonnenhüte erspähen, entscheiden wir uns dagegen, das „Erstbeste“ zu kaufen (nur wenige Tage später werden wir das Fehlen einer Kopfbedeckung ziemlich bereuen…).

Eine der größten Attraktionen der bevölkerungsreichsten Stadt Neuseelands ist zweifellos der Sky Tower. Mit seinen 328 Metern Höhe und einer 360°-Aussichtsplattform bietet er einen spektakulären Rundumblick in alle Richtungen. Übrigens auch nach unten – es kostet mich einige Überwindung, über die verglasten Bodenplatten zu gehen und scheinbar 220 Meter über den winzigen Autos und Passanten in der Luft zu schweben 🫣… Plötzlich tauchen für den Bruchteil einer Sekunde zwei Körper neben den Turmfenstern auf und stürzen in die Tiefe, gefolgt von dicken gelben Seilen. Bungee-Jumping ist in Neuseeland sehr beliebt, doch es gehört schon eine Menge Nervenkitzel dazu, sich freiwillig auf einen solchen Adrenalinschock einzulassen. Für mich wäre es ein No-Go.




Nachdem uns der Aufzug wieder ins Erdgeschoss gebracht hat, bestellen wir im Café des Sky Towers jeder ein Sandwich und eine heiße Schokolade (vielleicht nicht ganz passend zum Wetter, wohl aber zur Weihnachtsstimmung, welche auch in Auckland mit Kunstschnee und geschmückten Bäumen verbreitet wird). Mithilfe eines Stadtplans überlegen wir uns eine nachmittagsfüllende Route, die uns am schicken Uni-Campus entlangführt, durch einen angenehm kühlen Park und schließlich zum War Memorial Museum.
Da wir gerade keine Lust haben auf eine Indoor-Besichtigung, gehen wir stattdessen in einem Supermarkt einkaufen. Die erste Woche verbringen wir noch individuell, bevor die gemeinsame Fahrradtour beginnen soll, welche wir beim Reisebüro Schulz Aktiv Reisen in Dresden gebucht hatten. Mit vollen Rucksäcken und etwas müden Beinen schlendern wir zurück zum Hotel, wo wir leider feststellen, dass es keinen Kühlschrank im Zimmer gibt. So entscheiden wir, direkt beim Abendbrot im gemütlichen Garten die Lebensmittel zu verspeisen, welche sonst verderben würden. Der herrliche, dezente Duft von hunderten Rosen und die Farbenpracht sorgen für einen malerischen Tagesausklang.

Nach Sonnenuntergang wird es allmählich kühler und meine Erschöpfung gewinnt die Oberhand. Zwar reicht es noch für einen kurzen Spaziergang über einen Friedhof hinter dem Rosengarten (gar nicht gruselig, sondern angenehm ruhig). Aber gegen 21:00 Uhr sind die Energiereserven aufgebraucht, wir ziehen uns ins Apartment zurück und mir fallen sofort die Augen zu.

Paihia
Dienstag, 12.12.2017
🌦️ erst Sonne, dann viel Regen
Hach, ausschlafen tut so gut 😊. Nach einem kleinen Frühstück checken wir gegen halb neun aus dem Hotel aus und nehmen unseren Mietwagen in Empfang. Während der Reiseplanung habe ich etwas über den spektakulären Ninety Mile Beach gelesen, auf dem es sogar Fahrzeugen gestattet ist zu fahren. Auf Nachfrage lacht der Service-Mitarbeiter jedoch kurz und gibt uns den freundlichen Hinweis, doch bitte nicht mit dem kleinen PKW auf dem Sandboden zu fahren – der Touristen-Tipp galt wohl nur für große Jeeps…


Für uns steht eine lange Autofahrt in Richtung Norden (Whangarei) auf dem Plan. Weil wir uns erst an den Linksverkehr in Neuseeland gewöhnen müssen, passiert es des Öfteren, dass unser Wagen mit lautem Kratzen die staubtrockenen Scheibenwischer aktiviert, obwohl wir eigentlich nur den Blinker setzen wollen 🙈.

Erster Stopp: Die Whangarei Falls, drei plätschernde Wasserfälle inmitten einer grünen Oase aus tropischen Bäumen und Farnen. Bei angenehm warmen Temperaturen machen wir einen Spaziergang durch die Landschaft und schießen traumhafte Fotos.



Danach geht es weiter nach Tutukaka an der pazifischen Ostküste, wo ein alter Leuchtturm darauf wartet, besichtigt zu werden. Es gibt jedoch eine Besonderheit: Um ihn zu erreichen, müssen wir eine Sandbank zu Fuß überqueren, was aufgrund der vorherrschenden Flut leider nicht möglich ist. So betrachten wir das Bauwerk nur aus der Ferne und sammeln ein paar schöne Muscheln, von denen es hunderte am feinen Sandstrand gibt.

Irgendwann nachmittags überkommt uns allmählich der Hunger und wir machen ein kleines Picknick im Auto, das irgendwie ungemütlich ist aufgrund der eingeschränkten Platzverhältnisse. Im Freien zu essen kommt im Moment jedoch nicht infrage, denn das Wetter hat gewechselt und über uns bricht ein kräftiger Regenschauer herein, der bis in den Abend hinein anhält. Wenigstens kommen die bislang nur versehentlich betätigten Scheibenwischer jetzt doch zu ihrem verdienten Einsatz.



Unsere Endstation ist ein kleines Motel in Paihia, das trotz ausführlicher Anfahrtsbeschreibung gut versteckt liegt inmitten einer Ansammlung von Unterkünften aller Art. So parken wir zunächst vor dem falschen Gebäude und werden ganz umsonst nass. Schließlich finden wir aber das gesuchte Casa Bella Motel und beziehen unser Queen Studio im ersten Obergeschoss.
Mit Regenjacken ausgestattet, suchen wir uns ein Restaurant nahe beim Wasser und bestellen ein schmackhaftes Abendessen. Nach der krümeligen letzten Mahlzeit im Mietwagen bringen das Ambiente und der sanfte Klang der Wellen unser Urlaubsfeeling wieder ans Licht. Mit vollen Mägen schlendern wir noch ein wenig umher und entdecken einen Supermarkt, wo wir dann doch nicht widerstehen können, noch einen Nachtisch zu kaufen: Neuseeländische Süßkartoffel-Chips 😋.

Cape Reinga / Waipapakauri
Mittwoch, 13.12.2017
🌦️ Sonne-Regen-Mix
Wer sagt, dass wir mit dem Aktivurlaub noch bis nächste Woche warten müssen?! Sobald die ersten Sonnenstrahlen sich über der Landschaft erheben, springen wir aus den Federn, packen uns Proviant ein und starten ca. 07:45 Uhr in Richtung Cape Reinga – zur nördlichsten Spitze von Neuseeland. Eine Legende der Māori (Ureinwohner Neuseelands) besagt, dass ihre Vorfahren einst aus dem fernen Hawaiki (nicht zu verwechseln mit Hawaii!) über den Ozean gefahren sind und durch eine göttliche Fügung eine unbekannte Insel erreichten. Aufgrund der ungewöhnlichen Landform, welche an eine längliche Wolke erinnerte, nannten die Māori ihre neue Heimat Aotearoa: Das Land der langen weißen Wolke.
Gegen 10:30 Uhr erreichen wir einen relativ leeren Parkplatz. Bei leichtem Regen laufen wir einige hundert Meter auf dem Te Araroa Trail entlang der schäumenden Küste zu einem kleinen, weißen Leuchtturm mit einer gläsernen, zylinderförmigen Kuppel. Auf der Aussichtsplattform davor stehen zahlreiche gelbe Wegweiser, welche die Entfernungen zu verschiedenen Weltmetropolen verdeutlichen (London ist 18.029 Kilometer entfernt). Die Sonne brennt vom Himmel und es ist ziemlich heiß – zum Glück haben wir was zu trinken dabei.



Fun Fact: Während unseres langen Spaziergangs sind wir fast allein, abgesehen von zwei jungen Frauen, die wenige Meter vor uns gehen. Dreimal darfst du raten, welche Sprache sie sprechen: Es ist natürlich Deutsch 🙈 Und das Schlimmste ist ihr starker schwäbischer Akzent! Oh Gott, man kann ans andere Ende der Welt fliegen, aber diese Deutschen sind wirklich überall… 🤣

Anschließend laufen wir noch ein gutes Stück in Richtung Strand bergab, in der Hoffnung bis ans Wasser zu gelangen. Die üppige, niedrige Vegetation mit teilweise dornigen Sandgewächsen macht den Weg aber sehr beschwerlich und so treten wir nach einer Weile den Rückweg an, der – Überraschung – aufwärts führt. Der Getränkevorrat geht zur Neige, doch wir knipsen viele tolle Fotos von sich brechenden Wellen, wo die Tasmanische See auf den Pazifik trifft.




Weiter geht es mit dem Mietwagen, diesmal auf südwestlicher Route. Einen kurzen Stopp legen wir ein bei einem Aussichtspunkt mit roten Felsen, bevor es weitergeht bis Te Paki: Von dort führt eine schmale Straße zu einem Parkplatz direkt bei den gigantischen Sanddünen „Giant Sand Dunes“.
Man sollte vor der Erkundung einer unbekannten Wüstenlandschaft einen Blick auf den Geländemaßstab werfen. Habe ich mittlerweile gelernt. Ohne dieses Wissen gestaltet es sich hingegen so: Wir folgen einem fast völlig ausgetrockneten Flussbett durch verkrustete, bizarre Fels- und Geröllformationen bis zu einer hohen Sanddüne, auf die wir krabbeln und Abenteurer-Fotos schießen.




Man sollte ferner nicht ohne Kopfbedeckung über eine Stunde lang durch die besagte Wüstenlandschaft bummeln. Hab ich auch gelernt 😉. Die schützenden Sonnenhüte, welche wir vor zwei Tagen in Auckland ungekauft ließen, vermissen wir spätestens auf dem Rückweg. Wo müssen wir gleich nochmal hin? Die Konzentration leidet von Minute zu Minute und irgendwann sind die Wasserflaschen auch leer. Wir verfranzen uns total und bleiben schließlich im grünen Dickicht stecken. Von der Düne oben sah das so harmlos aus… Langer Rede kurzer Sinn: Umständlich kraxeln wir zurück zum Flusslauf, von dem wir gekommen sind, und erreichen ziemlich erschöpft den Parkplatz (wo im Auto glücklicherweise noch frisches Trinkwasser auf uns wartet).

Die Klimaanlage kühlt unsere Gemüter erfolgreich herunter, sodass wir schon nach kurzer Zeit einen weiteren Zwischenstopp anpeilen, nämlich Waipapakauri. Hey, wir sind schließlich jung! 🤣 Wenngleich wir nicht mit dem Mietauto über den Ninety Mile Beach dürfen, lassen wir uns doch einen kleinen Fußmarsch nicht nehmen (man beachte das große Schild: „This Beach is a Road!“). Mit den Füßen badet es sich gut, dazu weht ein kräftiger Wind um unsere Ohren und die hohen Wellen erfüllen die Luft mit kräftigem Salzduft.




Als wir abends im The Pizza Shack Restaurant in Paihia sitzen, bemerken wir allmählich die Nachwirkungen unserer Strapazen. Leichter Sonnenstich und kräftig gerötete Haut – Lichtschutzfaktor 50 schön und gut, aber einmal mittags einschmieren reicht in diesem subtropischen Klima einfach nicht. Und trotzdem: Unsere abenteuerlichen Erlebnisse kann uns keiner mehr nehmen. 💪
Paihia / Bay of Islands / Otehei Bay
Donnerstag, 14.12.2017
⛅ meist sonnig
Nach den Strapazen des Vortages beginnt der Donnerstag für uns im Motel mit einem ausgiebigen Frühstück. Mittlerweile haben wir uns akklimatisiert und wollen es heute etwas ruhiger angehen. Aber natürlich trotzdem was erleben dabei 😉. So spazieren wir kurzerhand hinunter zum Strand und buchen eine Bootstour, welche uns in die Bay of Islands führt. Bevor das kleine Touristenschiff ablegt, kaufen wir etliche Postkarten und diverse Souvenirs. Die Porto-Preise nach Europa sind nicht ohne 🤑🤑🤑…
Pünktlich um 14:00 Uhr legen wir von Pier 5 ab und machen zunächst eine kurze Überfahrt nach Russell. Vor über hundert Jahren war der Ort kurzzeitig die neuseeländische Hauptstadt – allerdings gab es daraufhin mehrere Kämpfe und die Bevölkerung wurde allmählich vertrieben. Einige historische Gebäude können noch heute betrachtet werden.



Auf der Weiterfahrt zeigen sich bald die ersten Delfine in der Nähe des Bootes. Der tierische Nachwuchs hat offensichtlich großen Spaß daran, im Wasser zu tollen und mit uns um die Wette zu schwimmen, während die Delfin-Eltern sich gemächlich zurückhalten.

In der Nähe treibt ein weiteres Schiff, von dem die Gäste über eine Leiter ins Wasser steigen und den keckernden Spielkameraden Gesellschaft leisten können.
Am frühen Nachmittag erwartet uns das Highlight der Bootstour:
Eine Durchfahrt durch das nur wenige Meter breite „Hole in the Rock“, eine schmale Aushöhlung unterhalb von Motukokako Island (auch Piercy Island genannt).

Der Skipper hält zunächst inne, um uns die heftig schäumende Brandung an den massiven Felsen fotografieren und filmen zu lassen. Dann steuert er vorsichtig auf die schmale Öffnung zu, wobei wir immer wieder von mannshohen Wellen durchgeschüttelt werden. Schließlich taucht der Bug ins nasskalte Innere der Aushöhlung ein, gefolgt vom Rest des Schiffes.
Geschafft! In der steinernen Höhle ist es stockdunkel und Wasser tropft von oben auf unsere sonnengewärmte Haut. Ein paar Leute rufen unverständliches Zeug durcheinander, denn von den Wänden hallt ein mystisches Echo wider.
Nachdem wir unverletzt und ohne Schrammen auf der anderen Seite des Hole in the Rock heraus kommen, erwarten uns bereits weitere Delfine. In der Ferne erspähen wir einen historischen Leuchtturm bei Cape Brett.
Einige Zeit später machen wir einen Zwischenstopp in der Otehei Bay. Dort wurde ein (ziemlich frühes) Abendbrot für die Touristen vorbereitet, bestehend aus Fleisch, Würstchen, Hähnchenkeule & diversen Salaten.

Auf der Insel stehen mehrere Holzhütten mit Infotafeln über die Flora und Fauna. So erfahren wir, dass hier seltene Vogelarten bei der Ausbreitung unterstützt werden und diverse Tiere wie Ratten, Katzen, Hunde etc. verboten sind.



Wir erkunden auf eigene Faust ein bisschen die Gegend. In den exotischen Bäumen trompeten nicht minder exotische Vögel, deren ausgeprägte Schnabelformen und Federkleider faszinieren. Außerdem lässt sich prima mit den Füßen im glasklaren Wasser baden.
Gegen 18:00 Uhr kehren wir zurück nach Paihia und betreten wieder Festland. Den Abend beschließen wir mit der Verkostung einer neuseeländischen Gebäck-Spezialität: „Afghans“, das sind braune Plätzchen aus Cornflakes-Teig mit Kakaopulver 😋.
Whatuwhiwhi und Mangonui
Freitag, 15.12.2017
🌦️ viel Sonne, abends Regen
Heute haben wir bis halb zehn ausgeschlafen, um anschließend mit dem Mietwagen zur Karikari-Halbinsel zu fahren. Trotz frühsommerlicher Temperaturen ist kaum eine Menschenseele am Meer unterwegs – gut für uns, denn vor uns liegt ein wahrhaft malerischer Traumstrand! 🤩 Genau so kennt man es eigentlich sonst nur aus Katalogen, in denen kilometerlange weiße, unberührte Sandflächen vorgegaukelt werden. Nun, hier gibt es sie wirklich. Dazu strahlt die Sonne warm und leuchtend vom Himmel: Würde ich es nicht in diesem Moment selbst erleben, könnte ich es wohl kaum glauben.


Als ich aus Spaß mit den Füßen über die kleinen Steinfelsen tapse, spüre ich plötzlich ein Klackern und Zwicken. Erschrocken springe ich zurück: Ein paar mittelgroße Krabben haben im kühlen, feuchten Schatten der Felsklüfte genistet und ziehen dort ihren Nachwuchs groß.



Nach einigen hundert Metern Fußweg entdecken wir kleine grünliche Splitter mit weißen Punkten. So dekorativ und gleichartig, wie sie aussehen, kommt mir der Gedanke, es handle sich um industriell gefertigte Muscheln, die jemand sorgfältig kleingestampft hat. Was natürlich unsinnig anmutet, denn warum sollte das jemand getan haben…


Dutzende Fotos später fahren wir weiter nach Rangiputa, um noch einen Strandspaziergang zu machen. Man fliegt schließlich nicht jede Woche nach Neuseeland. Mit der einsetzenden Flut wird die Wegfindung zur Herausforderung – wir krabbeln und rutschen über steinige Felsen, bis die Hosenbeine klatschnass sind. Schließlich werden wir mit einer herrlichen Aussicht auf die Rangaunu Bay belohnt.



Zum Abendessen fahren wir nach Mangonui in ein kleines Restaurant direkt am Meer. Auf dem Speiseplan stehen Fish and Chips mit Salat. Die Möwen hätten übrigens auch gern was gehabt; dank der offenen Fenster gibt es den ein oder anderen Eindringling, der vom Personal aber schnell verscheucht wird. Als Dessert gönnen wir uns je einen Erdbeer- bzw. Bananenshake; beide sind leider völlig übersüßt.

Um unsere Verdauung anzukurbeln, beschließen wir den Abend mit einem kleinen Spaziergang am Hafen. Unsere Beine tragen uns entlang der kleinen Dorfkirche mit Friedhof, wo es sehr idyllisch ist. Als kurz vor Sonnenuntergang ein kräftiger Regen einsetzt, fahren wir zurück nach Paihia in unser Quartier.




Waitangi und Paihia
Samstag, 16.12.2017
🌤️ nur Sonne und ein paar Wolken

Der sonnige Samstag beginnt für uns mit einem Frühstück am nahe gelegenen Strand, bei dem die Möwen uns um die Köpfe fliegen und die Hunde der Einheimischen und Touristen bellend durch den Sand pirschen.

Heute besuchen wir einen wichtigen Ort der neuseeländischen Geschichte: Den Waitangi Treaty Ground, welcher fußläufig von Paihia aus zu erreichen ist (über eine kleine Brücke, an der ein Warnschild darauf hinweist, dass Kiwi-Vögel die Straße überqueren könnten).

Auf dem grasbewachsenen Gelände befindet sich heute eine touristische „Ausstellung“, welche über die Bräuche der Ureinwohner (genannt Māori) berichtet. Auf dem Rundweg übers Gelände begleitet uns eine Māori-Häuptlingstochter der 7. Generation und zeigt uns die historischen Gebäude, in welchen der berühmt-berüchtigte Vertrag zwischen Briten und Māori geschlossen wurde. Das Haus von Busby (einem ehemaligen britischen Diplomaten) ist bis heute gut erhalten, ebenso wie der Unterzeichnungsort des New Zealand Treaty.



Um den jahrelangen andauernden Kämpfen zwischen britischen Eroberern und Māori-Stämmen ein Ende zu bereiten, einigten sich 1840 hochrangige Vertreter beider Lager auf die Ausarbeitung eines Vertrages, um die wesentlichen Fragen von Besitztümern, Landrechten und Gebietsansprüchen festzulegen. Es gab jedoch ein entscheidendes Problem: Der Vertrag von Waitangi wurde in zwei Sprachen formuliert, wobei der englische Text nicht korrekt in die Sprache der Māori übertragen wurde. Infolgedessen gab es immer wieder Auseinandersetzungen, welche bis in die Gegenwart reichen und von unabhängigen Gerichten entschieden werden. Ein 15-minütiger Film fasst die Entstehung des Vertrags und seiner zwei unterschiedlichen Übersetzungen gut verständlich zusammen.



Als weitere Besonderheiten sehen wir ein historisches Holzschiff mit schmalem Rumpf, das über den Köpfen von der Decke hängt, sowie einige aus Holz und Schmuck gefertigte Kunstgegenstände.

Nach dieser eindrucksvollen Wissensvermittlung dürfen wir die Eindrücke erst einmal sacken lassen. Eine Gruppe von Māori-Schauspielern führt eine Show für die Touristen auf, bei der sowohl traditionelle Māori-Kriegstänze als auch westliche Popmusik der Gegenwart präsentiert werden. So wird halsbrecherisch mit verzierten Holzstöcken gefuchtelt, die den Gesichtern der Zuschauer bedenklich nahe kommen 😱.



Besonders freue ich mich, als die kunstvoll bemalten Krieger ihre Zungen weit herausstrecken – eine Geste, welche zur Vertreibung von Dämonen praktiziert wurde und den Schauspielern einen äußerst wilden Ausdruck verleiht. Im Anschluss an das Programm dürfen alle Teilnehmenden noch ein Erinnerungsfoto mit den Māori schießen.
Wir beschließen den Besuch des Waitangi Treaty Ground, indem wir im Museumsbereich noch einige Bilder von Häuptlingen, alten Karten und Tauschgütern besichtigen, ehe es auf den Rückweg geht.



Unser Abendessen bestellen wir in einem indisch-thailändischen Restaurant, das wir durch Zufall entdeckt haben. Die kulinarische, asiatische Kombination lässt unsere Gaumen schlemmen, bis aus der Ferne ein mörderisches Donnergrollen erklingt. Der Lärm schwillt zu einer ohrenbetäubenden Qual an und die Menschen schauen sich verwirrt um. Plötzlich schießt ein getuntes Motorrad mit erhobenem Vorderreifen und extrem überhöhter Geschwindigkeit die kleine Straße entlang. Dicht gefolgt von einem Polizei-Auto, welches die Verfolgung bereits aufgenommen hat.

Nach diesem störenden Zwischenfall genießen wir wieder die untergehende Sonne und werfen einen letzten Blick auf die Bay of Islands vor der Weiterreise. Die erste Etappe unseres Urlaubs ist nämlich schon rum, ab morgen geht es wieder in Richtung Süden und der Aktivurlaub kann so richtig beginnen 😊.
