




Meine 30-tägige Reise nach Neuseeland war in vieler Hinsicht ein wirklich besonderes Erlebnis. Nachdem ich mein Masterstudium in Berlin im Sommer 2017 erfolgreich absolviert hatte, stand für mich ein Umzug nach Dresden zu meiner damaligen Freundin an. Bevor es jedoch in die Arbeitswelt gehen sollte, flogen wir einmal um die halbe Welt (übrigens mein erster Langstreckenflug im Leben!) und genossen einen fantastischen Mix aus subtropischen Traumstränden, legendären Herr-der-Ringe-Filmkulissen und traditionellen Māori-Bräuchen – alles im Rahmen eines Aktiv-Fahrradurlaubs von Nord nach Süd.
Nordinsel
Auckland und Weiheke
Sonntag, 17.12.2017
🌦️ viel Sonne, kurzer Schauer am Abend
Kaum zu glauben, nun ist die erste Woche unseres Neuseeland-Urlaubs schon vorbei! Doch nach den Northlands ist vor der Fahrradtour – das eigentliche Highlight unserer Reise steht uns noch bevor. Gegen 08:30 Uhr brechen wir von Paihia auf und gurken bei größter Hitze zurück nach Auckland, wo wir den Mietwagen wieder zurückbringen. Als wir erneut im Rose Park Hotel einchecken, laufen wir direkt unserem Guide Jens Schlotzhauer in die Arme.
Um dem nächsten Sonnenbrand vorzubeugen, schmieren wir kräftig Sonnencreme nach (die vom frühen Morgen ist schon weggeschwitzt). Dann setzen wir unsere neuen Hüte auf und los geht’s in Richtung Auckland Hafen. Wir kaufen uns Fährtickets und schippern etwa fünfunddreißig Minuten durch die Buchten und Inseln um Auckland herum (Browns Island, Motuihe Island), ehe wir an der mittelgroßen Insel Waiheke anlegen.
Bei bestem Sonnenschein spazieren wir den Matiatia Track am Meer entlang: Felsige Strände und ein malerischer Ausblick auf den Pazifik, so weit das Auge reicht. Dazu gesellen sich teuer aussehende Villen, welche den wohlhabenden Einheimischen wohl als Urlaubsdomizile dienen. Wider Erwarten bezwingen wir etliche Anstiege und Gefälle, bis wir eine gemütliche Badestelle finden. Der Ozean ist hier schön warm und sehr salzig!
Unser letzter Abschnitt führt uns zu einem Durchgang zur Delamore Road – und in null Komma nix befinden wir uns wieder unten am Pier. Die Rückfahrt verbringen wir auf dem freien Oberdeck. Eine kalte Brise weht uns um die Nasen und am Himmel zeichnen sich bizarre Wolkenformen ab, die einen Wetterumschwung ankündigen. Das Schiff stoppt zunächst in Devonport, bevor wir am Hafenpier von Auckland anlegen. Mittlerweile haben wir ziemlich großen Hunger und stürmen ins erstbeste Restaurant: Ein Mexikaner mit Buffet! So verschlingen wir beinahe wortlos unsere Burritos und heben anschließend noch etwas Bargeld ab, um für den nächsten Tag – den Beginn des Fahrrad-Aktivurlaubs – gerüstet zu sein.
Radtour mit Schulz Aktiv Reisen
Auckland, Coromandel, Thames [61 km]
Montag, 18.12.2017
🌧️ bedeckt, etliche Regenschauer
Der erste gemeinsame Morgen mit der Reisegruppe beginnt mit British Breakfast (süß-klebrige Marmeladen, Spiegelei, Würstchen und Bohnen) 🙄. Meine Laune bessert sich, als wir uns gegenseitig vorstellen und ein bisschen über uns erzählen.
- Jens, unser Guide, und seine Frau Mandy werden uns in den kommenden drei Wochen mit Rat (Rad) und Tat zur Seite stehen.
- Friedhelm und Gerhild beweisen uns eindrucksvoll, dass man auch jenseits der 70 Jahre noch um die halbe Welt fliegen und durch die Wildnis radeln kann. Wenngleich mit E-Bikes, doch Friedhelm lässt im Laufe der Tour keine Gelegenheit aus, zu verkünden, dass er nur seiner Frau zuliebe auf das Mountainbike verzichte.
- Michael und Katrin sind Ende fünfzig, sportlich unterwegs und, wie sich später herausstellt, echt flink auf den Rädern unterwegs (bei anderen Gelegenheiten bevorzugen sie auch Motorräder).
- Achim und Vanessa, ungefähr Ende dreißig, gehen es gelassener an als Michael und Katrin und sind etwas ruhiger, aber sehr sympathisch.
Bevor wir uns auf die Drahtesel schwingen können, steht eine längere Autofahrt durch die verstopfte Innenstadt von Auckland an. So quetschen wir uns in den nicht gerade großzügig bemessenen Tourenbus und feilschen um die besten Plätze. Schnell wird klar, dass es hier keine Stammplätze geben wird, sondern jeder abwechselnd zwischen Beinfreiheit und Sardinenbüchse kutschiert werden wird.
Nach einiger Zeit erreichen wir unseren Startpunkt Clevedon. Dort nehmen wir unsere Fahrräder in Empfang und pumpen zunächst genug Luft auf die Reifen. Ein wenig enttäuscht bin ich von der Qualität der Mountainbikes, welche offensichtlich schon einige Jahre auf dem Buckel haben… Doch sobald wir uns in Bewegung setzen, verfliegt die schlechte Laune und wir genießen die sattgrüne Natur, bis wir an der Kawakawa Bay stoppen und eine Lunchpause einlegen.
Es geht weiter durch einen Nationalpark, in welchem uns Bäume und fremde Vogelstimmen zu beiden Seiten begleiten. Die flache Strecke weicht einem Abschnitt mit leichten Anstiegen und Gefällen, während kühler Regen einsetzt und unsere Kleidung durchtränkt. Ab und zu legen wir kurze Zwischenstopps ein, um aufeinander zu warten, da wir ein recht unterschiedliches Tempo haben (Friedhelm und Gerhild nehmen es dank motorisierter Unterstützung gut mit Michael und Katrin auf). Jens berät uns regelmäßig, in welche Richtung wir weiterfahren müssen, um nicht unterwegs verloren zu gehen.
Die heutige Endstation befindet sich vor Miranda direkt am Highway. Gemeinsam laden wir die Räder wieder auf den Anhänger und fahren das letzte Stück im Bus nach Thames zur Unterkunft „Rolleston Motel“. In einem urigen Pub-Restaurant essen wir gemeinsam Abendbrot, schwatzen gemütlich miteinander und schicken anschließend die ersten Postkarten nach Europa ab.
Kopu, Waikino, Waihi, Rotorua [54 km]
Dienstag, 19.12.2027
☀️ Sonnenschein
Tag 2: Wir starten direkt vom Motel aus mit den Rädern und radeln auf einem Kiesweg bis Hikutaia. Der Rest der Gruppe hatte dort gefrühstückt, doch meine Freundin und ich fahren direkt weiter.
Anschließend sind wir auf einem Rail Trail unterwegs, einem früheren Gleisbett für Züge, aus welchem die Schienen mittlerweile entfernt wurden. Uns bietet sich ein tolles Panorama mit Blick nach links auf die Berge der Coromandel-Halbinsel, gelegentlich unterbrochen von kurzen Abschnitten dichten Urwaldes.
Weiter geht es durch einen ehemaligen dunklen Eisenbahntunnel. Um nicht ständig die Brillen wechseln zu müssen, behalte ich die Sonnenbrille auf – ein gruseliges Gefühl, so durch die Dunkelheit dahin zu düsen! Danach folgt eine wackelige Hängebrücke und schließlich gibt es Lunchpakete. Leider haben wir Achim und Vanessa vor dem Tunnel verloren, weil Jens eine etwas widersprüchliche Auskunft zu unserem Lunch-Treffpunkt getroffen hatte. So blieb nur eine Kleinigkeit für die armen Verspäteten übrig, da die restlichen hungrigen Mäuler sich schon gütlich getan hatten. Die Stimmung beginnt dezent zu kippen. Glücklicherweise glätten sich die Wogen nach kurzer Zeit wieder.
Nach dem Essen geht meine Radtasche kaputt, irgendetwas am Festklips-Mechanismus ist defekt. Zum Glück bemerke ich es direkt vor der Weiterfahrt und bekomme eine Ersatztasche ausgehändigt. Die letzte Etappe des Tages führt uns ein kleines Stück, ca. 9 Kilometer bis zum Bahnhof von Waihi. Dort sieht es aus wie in einem alten Western, mit historischen Waggon- und Kofferattrappen im Bahnhofsgebäude. Dieses Mal haben sich übrigens Friedhelm und Gerhild verfranzt und mussten von Jens aufgesammelt werden.
Abends checken wir in Rotorua im schicken Hotel „Sudima Lake Rotorua“ ein. Uns umgibt ein penetranter Schwefelgeruch: Dieser entstammt den nahegelegenen natürlichen Schwefelquellen, welchen wir morgen einen Besuch abstatten werden. Zum krönenden Abschluss des Tages besuchen wir eine japanisches Restaurant und verwöhnen unsere Gaumen mit ungewöhnlichen Speisen.
Orakei Korako Thermal Park, Huka Falls, Lake Taupo [32 km]
Mittwoch, 20.12.2017
☀️🍃 Sonne, abends viel Wind
Nach einer schwefelluft-lastigen Nacht im Hotel machen wir uns morgens mit den Rädern auf den Weg zum Geysirpark Orakei Korako, nicht weit von Taupo entfernt. Um von der Autostraße dorthin zu gelangen, müssen wir mit dem Motorboot übersetzen – der Skipper antwortet auf unser zaghaftes „Hello“ mit einem selbstbewussten „Kia Ora!“ Eindeutig ein Māori.
Der Park ist versteckt in einem abgelegenen Seitental. Wir beobachten aus nächster Nähe die vielen heißen Quellen, welche von gelblichem Schwefeldampf überzogen werden. Die Geysire geben Einblicke in die bis zu fünf Millionen Jahre alte Erdgeschichte; weiße Silikate und diamantfarbene Wasserlöcher krönen das Panorama. Direkt vor unseren Nasen sprudelt plötzlich eine heiße Fontäne aus dem Boden hervor. Später dürfen wir noch eine alte Steinhöhle besichtigen.
Anschließend starten wir die zweite Tagesetappe mit unseren Drahteseln. Diesmal geht es weiter zu den Huka Falls, von wo aus wir bei strahlendem Sonnenschein eine Wanderung entlang des Waikato Rivers unternehmen (man sagt, der Fluss sei der „Rhein Neuseelands“). In einem Flussausläufer entdecken wir einige Touristen, die im wilden Wasser baden.
Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Taupo Central und checken ein im Motel „Acapulco“, wo wir – Überraschung – ganze zwei Nächte am Stück bleiben werden. Nach unserem reichhaltigen Abendessen spazieren wir entlang des Lake Taupo in den Sonnenuntergang hinein, während um uns herum ein stürmischer Wind aufgezogen ist. Trotz grüner Wetterjacke und langer Hose muss ich mich zusammenreißen, um nicht zu zittern. Plötzlich hören wir ein klägliches Piepen: Ein junger Vogel wurde vom Sturm aus seinem Nest geweht und die Eltern versuchen mehr schlecht als recht, ihr Junges zum Hochfliegen zu motivieren 😢…
Lake Taupo, Tongariro National Park [54 km]
Donnerstag, 21.12.2017
☀️ nur Sonne!
Pünktlich um sieben klingelt der Wecker: Wir stehen auf und frühstücken rasch im Motel. Eine Stunde später fahren wir gemeinsam in den Tongariro National Park. Unser Startpunkt für die heutige Strecke ist das Hotel Château Tongariro – von dort begeben wir uns auf eine Der Herr der Ringe Sightseeing-Tour 🤩. Auf 1.120 Höhenmetern ist es noch frisch, sodass ich die Etappe mit meiner grünen Wind- und Wetterjacke beginne.
Kurz nach Beginn der Fahrt passieren wir die Tawhai Falls, auch bekannt als „Gollums Pool“, und genießen die grandiose Aussicht auf den Mount Ngauruhoe, welcher als Vorlage für den „Schicksalsberg“ diente, sowie die umliegende schneebedeckte Gebirgskette.
Weil es fast nur bergab geht und wir allmählich in wärmere Lagen rollen, ziehe ich irgendwann meine Jacke aus und kürze meine Hosenbeine mit Reißverschlüssen. Unterwegs springt meine Plastik-Wasserflasche aus der nur für feste Trinkflaschen geeigneten Halterung. Bei hoher Geschwindigkeit gerät die Flasche wie ein Geschoss ins Hinterrad, aber das Mountain Bike schlingert nur kurz und rollt sicher weiter. Nachdem ich abgebremst habe und umgekehrt bin, sehe ich, dass ein großer Wasserfleck den Boden bedeckt und meine Trinkflasche in kleine Fetzen geschreddert wurde 🙈
Zum Glück gibt es frische Vorräte bei der anschließenden Mittagspause an einem schattigen Plätzchen am See. Die Frau unseres Guides, Mandy, hat für uns alle einen Salat gemacht und Donuts mitgebracht 😋 Und ich bekomme was zu trinken sowie eine neue Flasche. Beim Essen entsteht spontan ein kleines Ratespiel: Unser ältester Mitfahrer Friedhelm fragt in die Runde, ob jemand errät, welchen Beruf er wohl hat. Einige Versuche und Spekulationen später outet er sich als „Facharzt für Frauenheilkunde & Geburtshilfe, sowie Psychosomatische Medizin & Psychotherapie„. Praktisch, einen Arzt an unserer Seite zu haben, falls mal jemand einen Fahrradunfall erleiden sollte.
Vom einen See geht es zum anderen: Dort spazieren wir über zwei Stunden gemütlich am Wasser entlang, während die Sonne auf uns herab scheint. Unsere beiden Sportskanonen Michael und Katrin sind dagegen bereits längst über alle Berge 🚴♀️🚴♂️
Und weil man von Seen manchmal nicht genug haben kann, gibt es abends noch einen Spaziergang am Ufer Lake Taupō – ähnlich wie im Vorabend, aber dieses Mal in die andere Richtung. Denn mit seinem Umfang von rund 193 km ist er leider etwas zu groß für eine Umrundung 😉
Mount Ruapehu, Whanganui [47 km]
Freitag, 22.12.2017
☀️🌋 Sonne und perfekte Sicht
- gemeinsam „Happy Birthday“ für Anna gesungen (zu ihrem 31. Geburtstag)
- ca. zwei Stunden auf den Mount Ruapehu gefahren (höchster aktiver Vulkan Neuseelands)
- von ca. 1.650 Höhenmetern abwärts geradelt mit Regenjacke und dickem Pullover; rutschiger Asphalt
- fantastischer Ausblick zuerst über der Grenze der Vegetation, dann mit Waldwuchs
- Lunchpause an einem Bahnhof gemacht und den Kiwi Train gen Auckland abfahren gesehen
- über Pipiriki bis nach Whanganui geradelt
Foxton Beach, Otaki, Wellington [0 km – Transfertag]
Samstag, 23.12.2017
🌤️ viel Sonne und vereinzelte Wolken
- 08:30 Uhr von Whanganui aus gestartet, ich durfte auf den Beifahrersitz und habe den „Schwarm“ gelesen
- 11:10 Uhr Zwischenstopp am Foxton Beach: „This Beach is a Road!“ – kann mit strandtauglichen Fahrzeugen befahren werden
- längerer Spaziergang bis zu einem Fluss
- weiter bis Otaki, dort einen BBQ & Cheese Pie sowie ein Subway-Sandwich gegessen bei Mittagshitze
- schließlich weiter nach Wellington, im CQ Hotel eingecheckt, dann ins Te Papa (Nationalmuseum) gegangen: große Māori-Ausstellung sowie Informationen zu Erdbeben und der Geschichte der Landbebauung
- Spaziergang zum Cable Car (120 Meter Höhenunterschied in nur fünf Minuten), im Schatten des Botanischen Gartens Abendbrot gegessen
- durch den Park spaziert zu einem Rosengarten, tolle Sicht auf die Stadt
- abends am Hafen zurück geschlendert und mehrere Rochen gesehen
