Samstag, 06.01.2024

Es ist 05:45 Uhr, der Wecker reißt mich unsanft aus dem Schlaf. Aber gewisse Opfer muss man bringen, wenn eine schöne Reise bevorsteht. Mit der Straßenbahn geht’s zum Dresdner Hauptbahnhof und dort auf Gleis 3, wo der ICE nach Hamburg pünktlich um sieben eintreffen soll. Sören wartet bereits auf mich und hat es geschafft, noch weniger zu schlafen als ich. Es ist über Nacht kalt geworden und wir sehnen uns danach, dass der Zug endlich kommt.

Während wir warten, taucht plötzlich ein älterer Mann mit Fahrrad auf. Zwischen Lenker und Mittelstange hat er einen Krückstock geklemmt, er sieht grimmig aus. Ungefragt kommt er auf uns zu und erklärt uns, dass man also wirklich alle Menschen vergessen könne, die nach 1970 geboren seien. Verdutzt schauen Sören und ich uns an. Vermutlich schätzt der gute Herr uns etwas zu alt ein, wenn er sich mit diesem Anliegen ausgerechnet an uns wendet. 😄

Tatsächlich rollt der ICE pünktlich an – bestimmt ein Neujahrsgeschenk der Deutschen Bahn. Die Fahrt verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse, abgesehen von einem gemächlichen Sonnenaufgang vor Berlin und zwei jungen Reisenden, die auf ihren reservierten Sitzplätzen dösen, um ihr Schlafdefizit aufzuholen. Kurz hinter Büchen – mittlerweile ist es halb elf – bleibt der Zug plötzlich stehen. Personen im Gleis, die Fahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Ich genehmige mir noch ein kleines Nickerchen.

Als wir endlich in Hamburg eintreffen, hat sich unsere großzügige Umsteigezeit auf gut dreißig Minuten verkürzt. Trotzdem genug Zeit für ein kleines, leckeres Mittagessen beim Asiaten bzw. Mexikaner. Am Hamburger Hauptbahnhof ist an einem Samstagmittag nicht gerade wenig los – gefühlt ist es noch dreimal voller, als ich es von früher in Berlin in Erinnerung habe. Es gibt kurzzeitig Verwirrung wegen des Anschlusszuges – er wurde ausgetauscht, unsere gebuchten Sitzplätze sind dahin. Zum Glück ist der dänische Eurocity nicht so voll, sodass wir eine bequeme Bank finden. Weniger schön sind dagegen die Zugdurchsagen, welche verkünden, dass wegen einer Signalstörung die Fahrt nur mit Haltepausen und verringerter Geschwindigkeit fortgesetzt werden kann…

Mit einer Verspätung von über einer Stunde erreichen wir den dänischen Grenzbahnhof Padborg. Zwei freundliche dänische Polizisten kontrollieren die Ausweise der Fahrgäste, bevor es mit neuem Zugpersonal weitergeht in Richtung Kolding. Witzigerweise liegt dieser Ort sehr nahe an der Ostsee, wohingegen unser Ziel sich direkt an der Nordsee befindet. Aber Dänemark ist einfach ein niedliches, kleines Land mit kurzen Reisewegen. Leider schafft es der Eurocity nicht mehr, die Verspätung aus Deutschland wieder gut zu machen, doch unsere Zugbindung ist aufgehoben und wir können den übernächsten Anschluss erreichen. Inzwischen ist die Dämmerung hereingebrochen und das Thermometer weiter herab geklettert – wir werden allmählich etwas ungeduldig.

Unsere Ankunft am Zielort Esbjerg erfolgt gegen 17:40 Uhr. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt – nicht weil uns so langweilig ist, sondern weil wir zunächst den Schlüssel für das Ferienhaus vom 1,3 Kilometer entfernten Dancenter abholen müssen.

Esbjerg sieht sehr „hyggelig“ aus mit hübscher Beleuchtung, die wohl noch aus der Weihnachtszeit stammt. Mithilfe von Google Maps erreichen wir ein unscheinbares Gebäude mit einem winzigen Dancenter-Logo an der Tür. Wir betreten einen dunklen Hausflur, finden den Lichtschalter, sehen einen kurzen Gang mit niedriger Decke. Eine Tür ist mit Codeschloss verriegelt. Die Zahlenkombination, welche uns per Email zugeschickt wurde, klappt nicht. Ich suche im Hinterhof erfolglos nach einem Hinweis.

Schließlich entdecken wir im Hausflur an der Wand einen Schlüsselkasten, welcher ebenfalls ein Tastenfeld besitzt. Diesmal klappt es, der Schlüssel für unser Ferienhaus liegt bereit. Außerdem bemerken wir unser Wäschepaket, welches in einem Beutel auf dem Boden abgelegt wurde.

Mit frischem Mut, aber auch etwas hungrig suchen wir uns ein Taxi. Dank Sörens Dänischkenntnissen treffen wir eine halbe Stunde später – eeeendlich – am Zielort Sjelborg ein. Dort wartet die nächste Überraschung auf uns – der Schlüssel scheint nicht für die Haustür vom Ferienhaus zu passen. Plötzlich entdecken wir noch eine weitere Tür. Der Schlüssel passt, doch es ist bereits offen, das Schloss klemmt und lässt sich gar nicht mehr verschließen. Egal, wir gehen rein und stellen erfreut fest, dass das Wohnzimmer bereits vorgeheizt ist.

Die Ausstattung ist einfach, aber gemütlich. An Lampen und Heizkörpern mangelt es nicht, dafür haben die Stühle hässliche Flecken auf den Sitzpolstern und die Bettdecken und -laken sind verschmutzt. Zum Glück fällt das unter der Bettwäsche nicht so auf; wir werden es trotzdem telefonisch in den nächsten Tagen melden. Das Badezimmer ist in moderner Fliesenoptik gestaltet – es fehlt einzig an einer Heizung, weshalb man an diesem Ort wohl nicht mehr Zeit verbringt als unbedingt nötig. Zum Abschluss des Anreisetages machen wir uns zwei Fertiggerichte im Topf warm und gehen zeitig schlafen.

Sonntag, 07.01.2024

Unsere tagesfüllende Anreise vom Vortag hat mich in einen wohligen Schlaf fallen lassen, sodass ich erst nach zehn Uhr erwache. Der Himmel ist nahezu wolkenlos und die tief stehende Sonne scheint warm durchs Fenster, während wir frühstücken. Von der Terrasse bietet sich ein grandioser Blick auf die nur wenige hundert Meter entfernte Nordsee.

Es ist bereits früher Nachmittag, als Sören und ich einen Spaziergang nach Hjerting unternehmen, den nächsten Ort mit einem Supermarkt. Wir haben keine Vorräte aus Deutschland mitgebracht, aber zum Glück haben die Geschäfte in Dänemark auch sonntags geöffnet. Hjerting ist eine kleine Siedlung mit typisch dänischen Häusern – flach und breit gebaut. Auf unserem Weg entdecken wir mehrere zugefrorene Seen, eine Schule und eine kleine Kirche.

Den eisigen Temperaturen trotzen wir spätestens, als unsere Rucksäcke mit leckeren Einkäufen gefüllt sind. Bei diesem Wetter kann nichts verderben, und so spazieren wir auf dem Rückweg an der Nordsee entlang, vorbei an den Überresten einiger alter deutscher Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, sowie einer Ansammlung von Holzpfählen, welche dank der tief stehenden Nachmittagssonne lange Schatten werfen. Es ist Ebbe, der Strand ist vereist und bildet farbenprächtige Muster, gesäumt von winzigen Muschelresten. Auf dem Meer treiben glitzernde Eisschollen.

Zurück in unserem Ferienhaus erwartet uns ein fulminanter Sonnenuntergang, der den Himmel in feuriges Rot taucht. Einen besseren Auftakt in den Winterurlaub könnte es nicht geben.

Montag, 08.01.2024

Hatte ich schon erwähnt, dass die Heizung in meinem Schlafzimmer einem glühenden Hochofen ähnelt? So kommt es, dass ich wieder erst am späten Vormittag aus den Federn krieche und mir Müsli und Brötchen genehmige, während Sören – seines Zeichens Frühaufsteher – schon lange fertig ist. In Anbetracht der kurzen Tageslänge lasse ich mich schnell auf seinen Vorschlag ein, ab morgen einen Wecker zu stellen, um mehr erleben zu können.

Gegen Mittag fahren wir mit dem Bus nach Esbjerg, in die siebtgrößte Stadt des Landes (mit nur etwas mehr als 70.000 Einwohnern). Als erstes steuern wir einen Fahrradladen an und leihen uns zwei Drahtesel aus, um flexibler unterwegs zu sein – immerhin befindet sich Sjelborg, unser Wohnort, gut dreizehn Kilometer nördlich von Esbjerg. In einem kleinen Restaurant im „BROEN Shopping Center“ nahe dem Stadtzentrum bestellen wir uns zwei Burger. Sören weiß dank seines Studiums in Dänemark, dass es hierzulande die besten Burger aller Zeiten gibt, und das kann ich nur bestätigen. So ein saftiges Rindfleisch habe ich vorher noch nie gegessen. 😋

Auf der Rückfahrt zum Ferienhaus stoppen wir an der Nordseeküste und machen Fotos von riesigen weißen Skulpturen, den sogenannten „Mennesket ved Havet“ (deutsch: Der Mensch am Meer). Wie schon am Vortag beobachten und filmen wir einen fantastischen Sonnenuntergang am wolkenlosen Himmel direkt am Strand. Uns umgibt eine perfekte Stille, nur unterbrochen vom vereinzelten Kreischen der Möwen sowie dem Rauschen der Wellen. Etliche Dänen sind extra mit ihren Autos hergekommen, um der Szenerie beizuwohnen…

Dienstag, 09.01.2024

Heute steht ein Ausflug in eine der südlichsten Regionen Dänemarks an – die Skærbæk-Kommune. Pünktlich um halb neun machen wir uns Proviant und radeln direkt zur Esbjerg Station. Während der Fahrt stellen wir fest, dass die Reifen an beiden Fahrrädern extrem platt sind. Das macht es besonders anstrengend, bei eisigen Minusgraden, Anstiegen und Gegenwind den Frust zu überwinden, weiter zu strampeln.

Anstelle der von Google Maps errechneten 40 Minuten benötigen wir dadurch fast eine Stunde, um den Startbahnhof zu erreichen. Mit einem Zeitpuffer von gerade mal fünf Minuten entscheiden wir, die Drahtesel in Esbjerg anzuschließen, da wir nicht sicher sind, ob wir sie im Zug mitnehmen dürfen. Später stellt sich heraus, wir hätten gedurft. In der Regionalbahn frühstücken wir gemütlich, während die zugefrorenen Wiesen draußen an uns vorbeiziehen. Es geht durchs frostige dänische Hinterland mit Nadelbäumen, bis wir schließlich in Skærbæk aussteigen.

Unser Ziel ist ein besonderes Werk moderner Architektur: Der Marsk Tower, ein 25 Meter hoher Turm in Form eines menschlichen DNA-Stranges mit doppelter Wendeltreppe – in eine Richtung geht es hinauf, in die andere bergab. Eigentlich wollten wir mit den Rädern die wenigen Kilometer vom Bahnhof aus zurücklegen und anschließend noch über einen Damm auf die Insel Rømø fahren. Doch das hätte uns mit fast platten Reifen wahrscheinlich gar keine Freude bereitet. So wird es stattdessen ein längerer Spaziergang, vorbei an niedlichen kleinen Häusern. Manche haben hübsche Reetdächer – und eines offenbart sogar die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest (42).

Aus irgendeinem Grund sind wir – Anfang Januar, an einem Dienstagvormittag bei leichtem Nebel – die einzigen Besucher des Turms. Auf dem Marsk Tower angekommen, verschaffen wir uns einen Überblick in alle Richtungen. Zunächst glauben wir, Sylt in der Ferne zu beobachten, doch es ist nur die südliche Spitze von Rømø. Durch ein Fernrohr, dessen vereiste Gläser wir mit den Handschuhen freikratzen, erkennen wir einzelne Gebäude und Schornsteine, doch der feuchte Dunst begrenzt die Fernsicht. Dank einiger Infotafeln (die wir ebenfalls vom Schnee befreien) erfahren wir mehr über den Bau des Turms und die geologische Beschaffenheit des Umlandes.

Von oben entdecken wir einen Minigolfplatz, den wir nach dem Abstieg näher inspizieren. Es ist ein ungewöhnlicher Parcours mit kleinen Felsen und einer Miniatur-Nachbildung des Marsk Towers. Doch die Anlage ist zu verschneit, um sie zu bespielen. 😄 Stattdessen machen wir uns gemächlich auf den Rückweg und halten Ausschau nach einem Restaurant. Leider sind die meisten Geschäfte heute geschlossen oder existieren gar nicht mehr. So begnügen wir uns mit einem Imbiss, in welchem wir zwei sehr günstige Pizzen verspeisen.

Um nicht im Dunkeln zum Ferienhaus radeln zu müssen, nehmen wir am frühen Nachmittag den Zug zurück nach Esbjerg. Dort statten wir dem Fahrradladen von gestern einen Besuch ab und bitten darum, uns etwas Luft aufzupumpen. Doch selbst ist der Däne: Man erklärt uns, dass wir im Hinterhof eine „Luftpumpe“ fänden. In Wirklichkeit handelt es sich um einen unscheinbaren blauen Schlauch, den man fest aufs Ventil drücken muss, sodass automatisch Druckluft in den Mantel strömt.

Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht: Auf einmal können wir in die Pedalen treten und der Drahtesel rollt einfach weiter, ohne nach drei Metern von selbst auf null zu bremsen! 🥳 So düsen wir mit frischer Energie nach Sjelborg und ich drehe sogar noch eine kleine Runde durch die Ferienhaussiedlung mit Weideland – und freue mich kurze Zeit später über eine warme Dusche. 😊

Mittwoch, 10.01.2024

Seit dem vergangenen Abend hat es begonnen zu tauen und über Nacht hat sich ein schmieriger Eisfilm auf den Steinen gebildet. Große Rutschgefahr! Vorsichtig bugsieren wir die Fahrräder durch die Einfahrt vom Ferienhaus zur Straße und schieben, bis wir Asphalt erreichen. Langsam, aber sicher geht es nach Esbjerg – diesmal jedoch nicht ins Stadtzentrum, sondern zum Hafengelände. Die kleine Insel Fanø ist nur wenige Kilometer vom Festland entfernt und eine Überfahrt mit der Fähre (FANØLINJEN) dauert lediglich zwölf Minuten. Außerdem ist sie für dänische Verhältnisse sehr günstig: knapp sieben Euro für ein Hin- und Rückfahrticket inkl. Fahrradmitnahme. 💪

Etwas orientierungslos radeln wir einfach drauflos. Nach kurzer Zeit finden wir uns am Nordweststrand wieder – eigentlich hatten wir den Süden der Insel angepeilt. 🤣 Egal, kommen wir eben morgen nochmal her und gönnen uns heute einen großen Spaziergang durch die Dünen. Auf den sandigen Wiesen hat sich viel Wasser gesammelt: einiges ist gefroren, anderes steht in knietiefen Pfützen. Wir waten und hüpfen mit unseren Winterstiefeln vorwärts, über Umwege und improvisierte Bretter. Trockenen Fußes bahnen wir uns einen Weg bis nahe an die Küste.

Intensiv leuchtende Farben von rot bis grüngelb umgeben uns. Wassertropfen hängen von den Dünengräsern herab, es liegt ein starker Salzgeruch in der Luft. Keine Touristen weit und breit zu sehen – so fühlt sich Freiheit an. Im Sommer muss es hier wahrscheinlich richtig voll sein! Wir machen noch einen kleinen Umweg zur Nordspitze, an der Dorfkirche und dem Rathaus vorbei und kehren schließlich zurück zur Fähre.

Nun, kurz nach Mittag, beginnt die zweite Etappe des Tages: Auf dem zentralen Marktplatz von Esbjerg ist eine große Eislaufbahn errichtet worden, welche wir unbedingt ausprobieren wollen. Kurzerhand leihen wir uns Schlittschuhe aus (etwas alt und eng an den Knöcheln, aber sie tun ihren Dienst). Für Sören ist es eine Premiere: Er hat seit seiner Kindheit nicht mehr auf Ice Skatern gestanden, und auch bei mir ist es gut und gerne fünfzehn Jahre her. Nach einem etwas rutschigen Start haben wir schnell den Dreh raus und laufen in entspanntem Tempo unsere Runden. Eine Weile sind wir die einzigen auf dem Eis, aber nach einer Weile kommen viele Kinder von der Schule bzw. mit ihren Eltern und haben Spaß daran, mit Eislaufhilfen in Form von Walen und Pinguinen über den Marktplatz zu tollen.

Irgendwann wird es uns zu bunt und die Sonne nähert sich bereits dem Horizont. Auf der Rückfahrt nach Sjelborg entdecke ich vor einem Privathaus verrückte Skulpturen von zwei schrägen Vögeln (im wahrsten Sinne des Wortes), einem verrosteten Ross (🤪) und zwei riesigen Wäscheklammern. Den Abend krönen wir mit selbst gemachter Pizza, welche einem Zwiebelkuchen ähnelt, da von unserem Reibekäse irgendwie kaum noch was übrig ist… 🤷

Donnerstag, 11.01.2024

Klappe die Zweite: Wie am Vortag bereits geplant, starten wir nach dem Frühstück erneut nach Esbjerg Havn, um noch einmal auf die Insel Fanø überzusetzen. Während der kurzen Fahrt auf dem freien Oberdeck fühlen Sören und ich uns wie auf einer Reise in die Arktis: Große Eisschollen treiben auf der Nordsee dahin und werden von der Fähre wie von einem Eisbrecher beiseite geschoben.

Heute halten wir uns an die Route, die uns Google Maps vorgibt. Unsere Fahrradtour führt vom Nordhafen vorbei an sumpfigen Wiesen und kleinen Mischwäldern bis an die südliche Spitze der Insel. Dort machen wir einen längeren Spaziergang am fast menschenleeren Strand, entdecken hohe Dünen und kleine Bäche aus Tauwasser.

Der strahlende Sonnenschein lässt die Muschelsplitter im Sand funkeln, doch der Wind pfeift uns recht intensiv um die Ohren. Ein paar Meter links von uns befindet sich ein dünner Metallzaun, welcher das Naturschutzgebiet vom Strand abgrenzt. Wir beobachten etliche Seevögel, aber leider keine Robben oder Seehunde, welche dort normalerweise anzutreffen sind.

Irgendwann kehren wir um und strampeln die dreizehn Kilometer zurück zum Ausgangspunkt des Ausfluges. Zeit fürs Mittagessen im Café „Seaside Food“, wo es Hotdogs und leckere Sandwiches gibt (ich hatte zuletzt als Kind vor Ewigkeiten einen „Fransk Hotdog“ gegessen 😋). Der freundliche Eigentümer des Imbisses ist dreisprachig unterwegs: Sören snakkt mit ihm auf Dänisch über den Jazzchor Dresden und er verrät im Gegenzug, dass er selbst Schlagzeug spielt und schon in aller Herren Länder unterwegs war. In der Sommersaison bietet er Naturausflüge auf der Insel an. Meine Bestellung darf ich auf Deutsch abgeben (wenngleich ich es zuvor auf Dänisch versuche 😉), und als ein junges Pärchen aus den Niederlanden den Laden betritt, wechseln wir kollektiv zu Englisch. Ein richtiges Café International!

Nach dem Übersetzen aufs Festland zieht Nebel auf, der die Szenerie in ein diffuses Licht taucht. Eine gute Gelegenheit für einen kurzen Zwischenstopp bei den weißen Skulpturen „Mennesket ved Havet“ (dt. „Der Mensch am Meer“), die in sich ruhend über die Nordsee blicken. Kurz vor Sjelborg besorgen wir unsere letzten Einkäufe in diesem Urlaub: Für meine Eltern bringe ich zwei Gläser Marmelade ihrer Lieblingssorte „Den Gamle Fabrik“ mit, und für das Abendprogramm (Serien schauen) gibt’s zwei leckere Chips-Sorten von „Kim’s“.

Vorher dürfen wir noch einen perfekten Sonnenuntergang mit feuerroten Wolken und leuchtend-rotgelber Spiegelung über dem Meer beobachten. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so viele großartige Fotos von der Abenddämmerung in Folge knipsen konnte… 🤩

Freitag, 12.01.2024

Langsam, aber sicher neigt sich der Winterurlaub in Dänemark seinem Ende entgegen. Um noch ein wenig „Kultur“ zu erleben, besuchen wir das Fischerei- und Seefahrtsmuseum in Esbjerg. Zuerst betrachten wir einige Schautafeln und Monitore mit Info-Videos über das Verhalten von Aalen, die von dänischen Seen aus in die Nordsee und weiter bis ins warme Wasser vor Nordamerika schwimmen, wo sie laichen und anschließend sterben.

Eine Gruppe von kleinen Kindern ist ebenfalls im Museum und strömt gegen elf Uhr in den Freibereich zur Robbenfütterung; Sören und ich schließen uns an. Eine Tierpflegerin erklärt, dass die Robben „freiwillig“ entscheiden können, ob sie kleine Kunststücke während der Fütterung aufführen wollen, etwa mit der Flosse winken. Tiere, die nicht „performen“ wollten, seien außen vor – die anderen signalisieren ihre Bereitschaft, indem sie ein spezielles Namensschild mit der Nase anstupsen.

Trotz Sonnenschein ist es an der frischen Luft – nur im Pullover – ziemlich kühl geworden. So gehen wir wieder rein und betrachten eine Sammlung von Robbenschädeln sowie historische See- und Landkarten. Es folgt ein großes Unterwasserbecken mit Dorschen, Katzenhaien und diversen Ungetieren, deren Namen ich mir nicht merken kann. In kleineren Aquarien tummeln sich glitzernde Fischschwärme, Flundern, Seesterne, Krabben und Muscheln. Außerdem sorgt ein Streichelbecken mit kleinen Rochen und bunten Fischen bei den Kindern für Neugier.

Unser Mittagessen gönnen wir uns im Bella Casa, einem „hyggeligen“ italienischen Restaurant. Mit einem Blick in die Speisekarte stelle ich fest: In Dänemark ist Pizza mit Würstchen scheinbar echt beliebt. 🤣 Gut gesättigt geht es weiter zur Eisbahn, die wir schon vor zwei Tagen besucht hatten. Heute ist es etwas voller, denn freitags haben die Dänen meist früher Schluss. Außerdem hat die Sonne bereits einen Teil der Eisfläche geschmolzen; nur im Schatten der Gebäude rutscht es sich noch gut. Trotzdem bleiben wir insgesamt über zwei Stunden dort, bis uns die Fußknöchel weh tun. 😊⛸️

Als letzte Amtshandlung geben wir unsere Leihräder zurück, kaufen ein Busticket und fahren eine Dreiviertelstunde zurück zum Ferienhaus. Die Sonne ist bereits versunken, aber es ist noch recht hell. Mein Körper verlangt jedoch nach einem ausgedehnten Nachmittagsschlaf, welcher sich – ich trau meiner Uhr kaum – bis nach 19 Uhr hinzieht. 😱 Abends verbrauchen wir die letzten Fertiggerichte und packen unsere Koffer, um am nächsten Morgen mit dem Taxi abgeholt zu werden.

Fazit

Dänemark ist immer wieder einen Besuch wert. Und das nicht nur im Sommer. Wer die Gelegenheit nutzen möchte, zwischen Weihnachten und Neujahr (oder noch besser Anfang Januar – günstiger!) unser nördliches Nachbarland zu erkunden, sollte das auf jeden Fall tun. Die Faszination der Natur erstrahlt dank der niedrig stehenden Sonne in prächtigen Farben und man braucht sich ganz bestimmt keine Sorgen zu machen, mit nervigen Touristenmassen aneinander zu geraten. Meine klare Empfehlung, es hat sich sehr gelohnt. 😊